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Kleiner Selbstbehauptungskurs im Waldkindergarten Petershausen

Über drei Vorschulvormittage erstreckte sich unser Projekt „Gefühle erkennen – mein Körper – NEIN sagen“

Bei unserem ersten Treffen beschäftigten wir uns mit unseren Gefühlen. Wie geht es mir? Wie kann ich Gefühle erkennen und diese benennen?
Hinter unseren Gefühlen liegen Bedürfnisse, z.B. nach Freundschaft, Anerkennung, Autonomie... Auf Grund der Gefühle kann ich erkennen welche Bedürfnisse ein Kind oder Erwachsener hat.
Gemeinsam haben wir eine Gefühlsuhr gebastelt mit deren Hilfe ein größeres Spektrum an Befindlichkeiten entwickelt wird. Um starke und selbstbewusste Persönlichkeiten zu werden brauchen Kinder dieses große Spektrum von Gefühlen.  Das sichere Deuten von Gefühlen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Mädchen und Jungen selbstbewusst für sich eintreten können, um im eigenen Sinn zu handeln und Entscheidungen zu treffen.

An unserem zweiten Vormittag ging es um unseren Körper. Wie sieht er aus? Was gehört alles dazu? Hier wurde wertfrei jedes Körperteil benannt, auch Scheide, Penis und After. Alle Körperteile gehören zu uns und wir können uns darüber unterhalten.
Wichtig dabei ist, dass jeder seine Gefühle dazu äußern darf. Es wird nicht gewertet, sich lustig gemacht oder darüber hergezogen. Den Kindern wird so vermittelt, dass ihr Körper etwas Besonderes ist. 

"Mein Körper gehört mir" ein Buch von Pro Familia bestärkt die Kinder darin auf ihren Körper und ihre Gefühle zu achten. Ich entscheide welche Berührung ich mag und welche mir nicht zusagt. Die Kinder müssen sich ihrer Gefühle bewusstwerden, sie benennen können und ihnen vertrauen. Sie brauchen die Möglichkeit sich anderen Menschen darüber mitteilen zu können und bei schlechten Gefühlen Hilfe zu bekommen.  Kinder die sich selbst nicht kennen und sich nicht ernst genommen fühlen, sind angreifbar und verletzlich.
Gemeinsam haben wir unsere Körper aufgemalt. Die Kinder haben über ihre Befindlichkeiten nachgedacht und wir haben sie aufgeschrieben. Zuhause können die Körper an eine Türe oder Wand gehängt und immer wieder ergänzen werden, was dem Kind gefällt oder was es lieber nicht so gerne hat.

In diesem Zusammenhang kommt das Thema NEIN sagen, was Thema unseres dritten Vormittags war. Wenn ich etwas nicht mag dann darf ich das äußern. Das heißt klar eine Berührung, eine Zuwendung ablehnen. Ich höre dabei auf ein Gefühl und nehme es ernst.
Im Alltag kann das auch einmal bedeuten, dass das Kind einen Kuss eines Erwachsenen ablehnt. Das kann auch mal, Mama, Papa, Oma, Opa sein. "Ich möchte das gerade nicht, vielleicht ein anderes Mal" So eine Äußerung der Kinder ernst nehmen, es akzeptieren. So kann das Kind ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln und die Sicherheit bekommen akzeptiert zu werden. 

In Rollenspielen wurden verschiedene Situationen durchgespielt. So auch Situationen in denen ein Kind mit „kleinen Katzen, Hunden, Fußball oder Eis…“ gelockt wurden. Lehne ich dies ab, gehe ich mit oder rufe ich laut um Hilfe? Die Kinder wurden hier bestärkt klar und deutlich NEIN zu sagen, sich zu wehren. Diese Sicherheit und Akzeptanz eines klaren NEINS helfen Mädchen und Jungen Missbrauch zu erkennen und sich zu wehren. Die Kinder werden stark.

In diesem Zusammenhang ist es erforderlich, dass wir als Erwachsene unsere eigenen Gefühle wahrnehmen und danach handeln. Kinder beobachten uns sehr genau und erleben uns als Rollenmodell. Glaubwürdig können wir nur sein, wenn wir unseren Kindern vorleben, wozu wir sie ermutigen.